Der etwas andere Gottesdienst in Upen
(Grundgedanken)

Es gibt sie wirklich, die vielfältigen Gaben in der Gemeinde - nicht nur in Pfingstpredigten. Sogar in einer winzigen Gemeinde mit nur 300 evangelischen Christen!
Irgendwann hatten wir das Klagen über schlecht besuchte Gottesdienste satt und haben uns vorgenommen, diese Gaben einmal anzuzapfen und sprudeln zu lassen und den Gottesdienst
etwas anders als gewohnt zu gestalten.

"Etwas anders"
Nur „etwas“ anders sind die Gottesdienste, die wir etwa achtmal im Jahr samstags um 17.00 Uhr feiern und die gut besucht werden. Denn der gewohnte liturgische Rahmen bleibt erkennbar, ebenso die Hauptstücke des Gottesdienstes wie Anrufungen, Gebet und Glaubensbekenntnis, Textlesungen und deren Auslegung, Sendung und Segen. Und es geht um nichts anderes als um die Botschaft zum Leben.

"Etwas anders"
Und doch sind die Gottesdienste „anders“. Die Besucher werden von der Begrüßung bis zum Schluss einbezogen. Ausgangspunkt und Zentrum waren deshalb in der ersten Gottesdienstreihe immer Lebensfragen, denen Menschen ausgesetzt sind. Sie werden bereits in der Einladung möglichst plastisch gekennzeichnet, etwa: „Der Ehrliche ist der Dumme?“ „Fad oder würzig leben“ „Arbeits-Los“ „Streiten – aber richtig!“ „Angst!!“ „Mensch, ich mag dich!“ „Mit Maske leben?“ Im Gottesdienst wollen wir sehen, hören, erfahren, welche Antworten oder Antwortansätze der christliche Glaube uns dazu gibt.

Aus Besuchern werden Mithandelnde
Damit aus Besuchern immer mehr Mithandelnde werden, führt schon die Begrüßung möglichst handfest in das Thema hinein. Dies darf ruhig durch eine etwas reißerische Szene geschehen. Oder durch einen Zwischenruf von der Empore, der abgehobene Feierlichkeit in Frage stellt. Oder durch einen Dialog wie den von Loriot über das Frühstücksei (Thema „Streiten“). Übrigens keine Angst: Bevor die auch von uns res-pektierte Grenze zum Klamauk erreicht ist, kann man noch manches wagen.

Konkreter Anrufungsteil
Dem Anrufungsteil widmen wir große Aufmerksamkeit. In einem entfalteten Kyrie wird das Gottesdienstthema ausgebreitet. Noch wichtiger: Die Menschen sollen erfahren, dass sie klagen dürfen. Oft ermutigen wir Mitarbeiter die Besucher hierzu, indem wir persönliche Erfahrungen einbringen (z.B. bei den Themen „Verluste“ oder „Angst“). Die Menschen werden dadurch stark motiviert, sich auf das Thema einzulassen, seine Bedeutung für sich zu entdecken. Allerdings erwarten wir noch nicht, dass auch die Besucher über eigene Erfahrungen laut sprechen.

Verständliche Sprache
Wir mögen Luther. Aber für die Lesungen wählen wir seine Übersetzung selten, weil... Ach, darüber ist schon genug geredet worden. Wir bevorzugen also moderne Übersetzungen (Gute Nachricht, Hoffnung für alle, Zink). Wo der Text es erlaubt, ent-falten wir ihn auch einmal zu einer szenischen Lesung oder einem kleinen Spiel, das die Hörer hineinzieht. Gelegentlich spitzen wir Fragen oder Einwände, die sich bei der Textlesung aufdrängen mögen, durch provokative Zwischenrufe zu.

Vielfältig predigen
Im Predigtteil wählen wir durchaus auch die herkömmliche Form, allerdings in Kurzfassung. Aber auch Dialogpredigten, besser noch: nicht „anpredigende“ Dialoge oder Spielszenen. Hier und an anderen Stellen bitten wir die Besucher gern, in der Stille praktische Konsequenzen aus dem Gehörten und Erlebten für sich zu erwägen, sie eventuell auch aufzuschreiben, vielleicht Gebetsanliegen oder Vorsätze auf den Altar zu legen etc. Wir haben den Eindruck, es besteht ein tiefes Bedürfnis nach Phasen der Stille. Und mit Recht; denn hier kann sich die Botschaft von der Liebe Gottes im persönlichen Leben verwurzeln.

Besucher zum Handeln auffordern
Den Sendungsteil nehmen wir sehr ernst, allerdings nicht bierernst. Wir geben den Besuchern gern etwas mit nach Hause, z.B. beim Thema „Masken tragen?“ eine Maske mit dem Aufdruck Der ewige Verlierer Die immer Starke Der Supertüchtige Der stets Höfliche Die anschmiegsame Kindfrau Der Entsagungsvolle Die Superfromme Der Macher Die nie Klagende Der Siegertyp Die Einfühlsame Der immer gut aufgelegte Geschichtenerzähler Und ich? Und wir scheuen uns keineswegs, die Besucher aufzufordern, Vorsätze zu fassen oder konkrete Schritte zu gehen. Behutsamkeit ist dabei angesagt, aber nicht Ängstlichkeit. Zwischen Indifferenz und dem erhobenen Zeigefinger liegt ein weites Feld.

Zu den einzelnen Gottesdienstreihen